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Blei in der Powerbank: Warum die EU billige Modelle aus dem Verkehr zieht

Blei in der Powerbank: Warum die EU billige Modelle aus dem Verkehr zieht

Stand: 06.08.2026 · Status: IN FORCE

Für Blei in einer Powerbank gelten in der EU zwei verschiedene Grenzwerte, und sie stehen in zwei verschiedenen Rechtsakten. Der eine betrifft die Zelle, der andere alles darum herum — Gehäuse, Platine, Lötstellen, Kabel. Wer nur einen von beiden kennt, liest die Hälfte der Regeln.

Der schärfere von beiden ist noch nicht alt: Er gilt seit dem 18. August 2024. Und er trifft eine Produktgruppe, die in der EU-Marktüberwachung ohnehin überdurchschnittlich auffällt.

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Zwei Grenzwerte, ein Gerät

Bauteil Rechtsgrundlage Grenzwert Blei Gilt seit
Die Zelle (Gerätebatterie) Verordnung (EU) 2023/1542, Anhang I Nr. 3 0,01 % Massenanteil 18.08.2024
Gehäuse, Platine, Lötstellen, Kabel § 3 ElektroStoffV (RoHS, Richtlinie 2011/65/EU) 0,1 % je homogenem Werkstoff seit RoHS, unverändert
Zelle: Cadmium Verordnung (EU) 2023/1542, Anhang I Nr. 2 0,002 % Massenanteil 18.02.2024
Zelle: Quecksilber Verordnung (EU) 2023/1542, Anhang I Nr. 1 0,0005 % Massenanteil 18.02.2024

Dass die Zelle einer Powerbank unter den strengeren Wert fällt, ist keine Auslegung. Die Verordnung definiert die Gerätebatterie als Batterie, die "gekapselt ist, 5 kg oder weniger wiegt, nicht speziell für die industrielle Verwendung ausgelegt ist" und weder Elektrofahrzeug-, LV- noch Starterbatterie ist. Und der Bleiwert gilt ausdrücklich "unabhängig davon, ob die Batterien in Geräte eingebaut sind".

Es gibt genau eine Ausnahme, und sie hilft keiner Powerbank: Bis zum 18.08.2028 sind Zink-Luft-Knopfzellen ausgenommen. Sonst niemand.

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Warum ausgerechnet Blei

Blei landet in einem billigen Gerät selten in der Zelle, sondern im Lot. Bleihaltiges Lot schmilzt niedriger, verzeiht mehr und ist billiger als bleifreies — die Zahl im Legierungsnamen Sn63Pb37 ist der Bleianteil in Prozent. Gegen einen Grenzwert von 0,1 % je homogenem Werkstoff ist eine solche Lötstelle nicht knapp daneben, sondern um mehrere Größenordnungen darüber.

Das ist keine Vermutung, sondern steht im Jahresbericht der EU-Kommission selbst. Der Safety Gate Report 2025 nennt Blei bei den in Elektrogeräten am häufigsten gefundenen gefährlichen Stoffen: "Lead is very often found on solders."

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Wie die EU ein Modell tatsächlich aus dem Verkehr zieht

Der Mechanismus heißt Safety Gate — das EU-Schnellwarnsystem für gefährliche Non-Food-Produkte. Meldet eine nationale Behörde ein Produkt, geht die Meldung an alle Teilnehmerstaaten, und die Folgemaßnahmen reichen von der Rücknahme vom Markt über den Stopp an der Grenze bis zur Löschung des Angebots beim Online-Marktplatz.

Die Zahlen für 2025, veröffentlicht am 05.03.2026:

Kennzahl 2025 Wert
Meldungen im Safety Gate 4.671 (Höchststand seit 2003, +13 % ggü. 2024)
Folgemaßnahmen 5.794 (+35 % ggü. 2024)
Anteil Chemikalien-Risiko an allen Meldungen 53 %
Anteil "Elektrische Geräte und Ausrüstung" 11 %
Vom eSurveillance-Crawler geprüfte URLs über 1,6 Millionen
Davon mit bereits gemeldeten Produkten über 20.800

Der letzte Punkt erklärt das "billige Modelle" in der Überschrift besser als jede Vermutung über Herstellungskosten: Der Crawler durchsucht Online-Angebote nach Produkten, die schon im Safety Gate stehen und trotzdem weiter verkauft werden. Er trifft damit strukturell das Marktplatz-Listing ohne festen Hersteller, nicht den Markenartikel mit Importeursadresse.

Was in dieser Statistik nicht steht: Wie viele der Meldungen Powerbanks betrafen und wie viele davon wegen Blei erfolgten. Der Jahresbericht schlüsselt das nicht auf. Belastbar ist dazu nichts — deshalb steht hier keine Zahl. Wer einzelne Fälle nachsehen will, kann die Safety-Gate-Datenbank direkt durchsuchen.

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Was du am Gerät selbst ablesen kannst

Drei Dinge, ohne Labor:

  1. Das chemische Zeichen unter der durchgestrichenen Mülltonne. Anhang VI Teil A Nr. 5 der Verordnung schreibt vor: Batterien mit mehr als 0,004 % Blei oder mehr als 0,002 % Cadmium tragen das Zeichen des Metalls — Pb beziehungsweise Cd — unterhalb des Sammel-Symbols, mindestens ein Viertel so groß. Ein "Pb" auf einer 2026 gekauften Powerbank heißt also: irgendwo zwischen 0,004 % und dem Maximum von 0,01 %. Mehr wäre schlicht nicht verkehrsfähig.
  2. Eine benannte Adresse in der EU. CE-Zeichen allein sagt wenig, es ist eine Selbsterklärung des Herstellers. Interessant ist, ob ein Hersteller oder Importeur mit ladungsfähiger Anschrift auf Gerät und Verpackung steht — das ist die Stelle, an die eine Marktüberwachungsbehörde die EU-Konformitätserklärung schickt.
  3. Ab 18.02.2027 der QR-Code. Anhang VI Teil C verpflichtet dann alle Batterien zu einem maschinenlesbaren Code. Das ist der nächste bekannte Stichtag in dieser Sache.
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Modelle mit nachvollziehbarem Hersteller

Keine der folgenden Powerbanks ist hier auf Blei gemessen worden, und niemand sonst hat das öffentlich getan — die Auswahl folgt deshalb einem anderen Kriterium: Hersteller mit stabiler Modellpflege, benanntem EU-Vertrieb und einer Bewertungshistorie, die nicht alle drei Monate von vorn beginnt. Preise und Bewertungen: Stand 06.08.2026, laut amazon.de.

Zur Einordnung der Kapazität: 20.000 mAh sind bei den üblichen 3,7 V Zellspannung rund 74 Wh — nicht die 100 Wh, die auf dem USB-Port stehen. Die Umrechnung steht ausführlich in unserem Beitrag zu mAh und Wh.

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Fazit

Die Regel ist unspektakulär und wird trotzdem selten richtig zitiert: 0,01 % Blei in der Zelle seit dem 18.08.2024, 0,1 % je homogenem Werkstoff in der Elektronik. Was daraus Marktdruck macht, ist nicht der Grenzwert selbst, sondern die Durchsetzung — 5.794 Folgemaßnahmen in einem Jahr und ein Crawler, der 1,6 Millionen Adressen nach schon gemeldeten Angeboten absucht. Ein Pb unter der Mülltonne und eine echte Firmenanschrift auf der Verpackung kosten dich zehn Sekunden und sagen mehr als jedes CE-Logo.

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Häufig gestellte Fragen

Ist eine Powerbank mit Pb-Zeichen illegal?

Nein. Das Zeichen bedeutet nur, dass die Batterie mehr als 0,004 % Blei enthält. Illegal wird es erst oberhalb von 0,01 % Massenanteil, und dieser Wert gilt für Gerätebatterien seit dem 18.08.2024 nach Anhang I Nr. 3 der Verordnung (EU) 2023/1542. Zwischen 0,004 % und 0,01 % ist die Batterie also kennzeichnungspflichtig und trotzdem verkehrsfähig.

Warum gelten für Zelle und Elektronik unterschiedliche Werte?

Weil zwei Rechtsakte greifen. Die Batterieverordnung regelt die Batterie und setzt 0,01 % Massenanteil an. Die RoHS-Regelung, in Deutschland § 3 ElektroStoffV, regelt Elektro- und Elektronikgeräte und setzt 0,1 % je homogenem Werkstoff an. Eine Powerbank ist beides zugleich, deshalb gelten beide Werte nebeneinander.

Muss ich eine ältere Powerbank jetzt entsorgen?

Nein. Der Grenzwert bindet das Inverkehrbringen, nicht den Besitz. Er richtet sich an Hersteller, Importeure und Händler und gilt für Batterien, die seit dem 18.08.2024 auf den Markt gebracht werden. Ein vorher gekauftes Gerät darfst du weiter benutzen.

Woher weiß ich, ob ein konkretes Modell gemeldet wurde?

Über die Safety-Gate-Datenbank der EU-Kommission. Dort lassen sich die Meldungen nach Produkt, Risikoart und Land durchsuchen, inklusive der von den nationalen Behörden ergriffenen Maßnahmen. Eine Suche nach Marke und Modellbezeichnung ist der schnellste Weg.

Was ändert sich als Nächstes?

Der 18.02.2027. Ab diesem Datum müssen alle Batterien nach Anhang VI Teil C der Verordnung (EU) 2023/1542 einen QR-Code tragen, über den die vorgeschriebenen Angaben maschinenlesbar abrufbar sind.

Quellen

  1. Verordnung (EU) 2023/1542 eur-lex.europa.eu
  2. § 3 ElektroStoffV gesetze-im-internet.de
  3. Richtlinie 2011/65/EU eur-lex.europa.eu
  4. Safety Gate Report 2025 op.europa.eu
  5. 05.03.2026 ec.europa.eu
  6. Safety-Gate-Datenbank ec.europa.eu

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